Grabanlage Gattel (Feld G2)
Die Grabanlage befindet sich als Erbbegräbnis (Erb. Nr. 624) am Rand von Feld G2 und liegt am Weg zwischen den Feldern G2 und F2 (gegenüber dem Grabmal Rosalie Ernst). Beigesetzt sind hier vier Mitglieder der Familie. Die Familie Gattel gehörte in Berlin nach 1870 zu den etablierten Unternehmen für Hüte aus Wollfilz und Stroh. Für die gut gehende Herrenhutfabrik ließen sich die Gattels 1889-91 in der Prinzenallee 58 ein straßenseitiges Wohnhaus und ein neues viergeschossiges Fabrikgebäude errichten.
Das ursprünglich vierseitige Schmuck-Gitter der Grabstätte mit der vermutlich etwas höheren Rückwand, wo die vier Grabplatten eingesetzt waren, ist um 1943 für die Sammlung zur Buntmetallreserve abgeräumt worden. Somit war von der einst repräsentativen, um 1900 errichteten Grabanlage der Familie Gattel bis auf die lose liegenden vier Inschriftentafeln nichts mehr erhalten. Die Inschriftenplatten wurden restauriert und in neu gefertigte Rahmenkonstruktion eingesetzt, die in die hintere Schwelle der Grabumrandung eingesetzt wurde.
Die Restaurierung wurde vom Förderverein Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee e.V. in Kooperation mit dem Landesdenkmal Berlin vorgenommen und wurde 2023 fertiggestellt.
Grabanlage Nadelmann (Feld N2)
Die Grabanlage der Familie Nadelmann (Erbbegräbnis 1028) liegt an der langgestreckten Südostseite von Feld N 2, gegenüber von Feld S 2. Beigesetzt sind hier der Kaufmann Abraham Nadelmann (*17.6.1831, † 3.1.1904) und seine Ehefrau Jeanette Nadelmann, geb. Hirschfeld (*30.5.1835, † 9.10.1915). Gekauft wurde das Erbbegräbnis von der Familie anlässlich des Todes der Tochter Emma Rahmer, geb. Nadelmann (*11.2.1857, † 15.11.1903). Sie war mit dem Kaufmann Wilhelm Rahmer (*29.8.1848, † 11.11.1927) verheiratet, der zuletzt in dem für vier Beisetzungen angelegten Erbbegräbnis bestattet wurde. Wilhelm Rahmer war Inhaber der Lederhandlung Groß & Rahmer für farbige Leder für Album- und Portefeuille-Fabrikation, mit Sitz in der Alexandrinenstr. 37.
Bei dem um 1903 geschaffenen Metall-Schmuckgitter, das die Grabanlage einrahmte, handelt es sich um schmiedeeiserne Arbeiten im Stil der Gründerzeit. Der einst umfangreiche Bestand an repräsentativen Metallarbeiten auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee erlitt im Zweiten Weltkrieg jedoch empfindliche Einbußen, als die Ablieferung des Materials zur Verstärkung der Metallreserve angeordnet wurde. Auch bei der Grabstätte Nadelmann ist das Einfassungsgitter an Vorder- und Seitenfronten beseitigt worden. Die verbliebene Metallkonstruktion, die ca. 4 Meter lange und ca. 2,60 Meter hohe Rückwand mit vier eingesetzten Inschriftentafeln, hatte durch Korrosionsschäden ihre Tragfähigkeit eingebüßt und lag ebenso wie die vier Tafeln seit Jahrzehnten lose auf der Grabstätte.
Die Wiederherstellung der Grabanlage Nadelmann wurde vom Förderverein Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee e.V. in Kooperation mit dem Landesdenkmalamt Berlin und der heute in den USA ansässigen Familie Nadelmann durchgeführt. Die denkmalpflegerischen Maßnahmen umfassten für 2019 die fachgerechte Restaurierung der schmiedeeisernen Rückwand in der Werkstatt und in 2020 ihren Wiederaufbau einschließlich der vier Inschriftentafeln für die hier beigesetzten Mitglieder der Familie Nadelmann.
Louis Grünbaum (1820 Berlin – 1880 Berlin) (Feld A1)
Louis Grünbaum wurde in Berlin am 6. Februar 1820 als Sohn des Schneidermeisters Abraham Grünbaum geboren. Sein fünf Jahre älterer Bruder Hermann blieb dem väterlichen Handwerk als Seidenwarenfabrikant verbunden, wohingegen Louis den Beruf des Gelbgießers erlernte. Gelbgießer waren Handwerker, die Messing und andere Kupferlegierungen zu Leuchtern, Schnallen und Knöpfen, Armaturen und Beschlägen verarbeiteten. Später war er als Hausinspektor bzw. Hausverwalter in der Altersversorgungsanstalt (Altersheim) der Jüdischen Gemeinde in der Großen Hamburger Straße 26 tätig, wo er auch wohnte und am 19. September 1880 verstarb.
Am 9. September 1880 war der Jüdische Friedhof in Weissensee eingeweiht worden. Die erste Beisetzung auf dem Friedhof war die von Louis Grünbaum am 22. September 1880. Somit ist sein Grabstein in traditioneller Stelenform der älteste auf dem Friedhof und trägt an der Seite die Nummer 1.
Eine irreparable Zerstörung des bereits stark durch Witterungseinflüsse angegriffenen Sandsteingrabmals ist ohne Restaurierungsmaßnahmen unabwendbar. Da es sich um das erste und älteste Grabmal auf dem Friedhof handelt, möchten wir es gerne erhalten. Zu diesem Zweck haben wir umfassende Reinigungs- und Konservierungsmaßnahmen durchführen lassen.
Laura Perls (1862 Rybnik – 1919 Berlin) (Feld O5)
Ludwig Mies van der Rohe entwarf um 1919 das Grabmal für Laura Perls (1862-1919), geb. Haase, ein durch unverschnörkelte, schlichte Klarheit bestechendes Grabmal. Laura Perls war die Mutter des bekannten Kunstsammlers und Publizisten Hugo Perls, der früh an den jungen Architekten Mies van der Rohe glaubte.
In Kooperation mit dem Landesdenkmalamt Berlin und der Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe Berlin-Brandenburg beteiligte sich der Förderverein Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee e.V. an der 2015 initiierten Wiederherstellung des Grabmals Laura Perls. Bei der Instandsetzung der Grabstätte Perls war die denkmalpflegerische Zielstellung, die über die Jahrzehnte schleichend entstandenen Schäden im Bauwerk zu beheben und die besonderen räumlichen und gestalterischen Qualitäten der Anlage wiederzugewinnen, die durch das Zusammenwirken der Natursteinelemente mit der Inschrift aus eleganten Lettern und den in Formschnitt gezogenen Hecken geprägt werden. Im April 2016 waren die Wiederherstellungsarbeiten abgeschlossen.
Oscar Wassermann (1869 Bamberg – 1934 ) (Feld W.T.)
Seitlich der Trauerhalle befindet sich die Grabanlage Wassermann. Beigesetzt sind hier Margit Wassermann, geb. Fürst (1882 – 1924) und Oscar Wassermann. Der Bankier Oscar Wassermann gehörte von 1912 bis 1933 dem Vorstand der Deutschen Bank an, als dessen Sprecher er von 1923 bis 1933 tätig war.
Im Dezember 2012 erhielt der Förderverein eine zweckgebundene Spende der Deutschen Bank für die Wiederherstellung der Grabanlage Oscar Wassermann. Die denkmalpflegerischen Maßnahmen wurden 2013 umgesetzt und umfassten die fachgerechte Reinigung der Naturstein-Werkstücke der gesamten Grabanlage sowie das Neuversetzen der eingesunkenen Bodenplatte sowie der teils verschobenen Einfassung. Zudem wurde die Bepflanzung erneuert. Die gärtnerische Pflege der Grabanlage ist gesichert, da die Deutsche Bank auf Empfehlung des Fördervereins Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee e.V. auch die ewige Grabpflege für die Grabstätte Oscar Wassermann übernommen hat.