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      Mahnmale und Gedenktafeln (Plan-Nr. 1 - 3)

 
     

1880 ahnte niemand von den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, dass es, an einem Sonntag, dem 23. April 1950 um 16.00 Uhr in der Eingangszone des Friedhofes eine Feierstunde für die Gedenksteinenthüllung eines ersten Mahnmals geben wird, errichtet für die sechs Millionen Juden, die in der Zeit des Nationialsozialismus ermordet wurden. Zu der feierlichen Einweihung spielte eine Orgel und es sang ein Chor. Die Ansprachen hielten Julius Meyer, der damalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, und Heinz Galinski, der zu dieser Zeit in der Oranienburger Straße tätig war und der später ihr Vorsitzender wurde. Es sprach auch der damalige Stadtrat und Polizeipräsident Schmidt. Kantor Estrongo Nachama sang das ,,El mole Rachamin" und der Prediger Martin Riesenburger sprach das ,,Kaddisch", das Gebet zum Gedächtnis an die Toten.

 

 
 
Mahnmal

 
1 Mahnmal

Es war ein weiter Weg, bevor das Mahnmal für die Opfer errichtet werden konnte. Bereits am 22. März 1947 stellte die Jüdische Gemeinde zu Berlin den ersten Antrag an den Magistrat von Groß-Berlin. Wegen Materialmangels wurde dieser Antrag jedoch zurückgestellt, Daraufhin bot die Jüdische Gemeinde zu Berlin Steine der zerstörten Synagoge Fasanenstraße an.

Letztendlich konnte am 11. Oktober 1953 ein Gedenkstein enthüllt werden. Bis heute ist er Mahnmal in dem Rondell an der Eingangszone des Friedhofs. Im Kreis angeordnet liegen die Erinnerungstafeln mit den 20 in Stein eingemeißelten Namen der größten Konzentrations- und Vernichtungslager: Auschwitz, Theresienstadt, Neuengamme, Sachsenhausen, Dachau, Gross-Rosen, Lublin-Maidanek, Stutthoff, Flossenbürg, Mauthausen, Treblinka, Bergen-Belsen, Natzweiler, Gusen, Ebensee, Plötzensee, Brandenburg, Esterwegen, Ravensbrück, Buchenwald. Vor dem Gedenkstein wurde am 27. Januar 1992 eine Urne mit der Asche ermordeter Juden aus Auschwitz versenkt. Diese Urne war dem ehemaligem Auschwitzhäftling und damaligen Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Estrongo Nachama, dem Auschwitzhäftling Martin Friedländer und dem damaligen Friedhofsinspektor Manfred Alpern, im Jagdschloss Glienicke feierlich überreicht worden. Der Überbringer dieses grausamen Erbes war der Direktor des heutigen Museums Auschwitz, Jerzy Wróblewski.

Die gesamte Anlage war nun inzwischen verwittert, die Farbe der Inschriften verblasst. Die Steine der kleinen Umfriedungsmauer und die Gehwegplatten waren durch Umwelteinflüsse in ihrer Substanz angegriffen worden. Eigene Arbeitskräfte des Friedhofes reparierten im Jahre 2000 die Mauer sowie die Wege und die Steinmetzfirma Pototzki erneuerte die Inschriften.

 

 
 
Grabstätte für gschändete Thorarollen
 

2 Grabstätte für geschändete Thorarollen (Feld A 1)

Die Schrift der Thorarollen beinhaltet die fünf Bücher Mose, im 2. Buch Mose sind die zehn Gebote enthalten. Viele Thorarollen wären im staatlich organisierten Pogrom der so genannten Kristallnacht fast zerstört worden.
Es war die Nacht vom 9. zum 10. November 1938, in der 91 Juden ermordet und 26 000 verschleppt, Synagogen demoliert, Geschäfte und Gebäude angezündet wurden. Aus den brennenden Synagogen konnten Thorarollen gerettet werden, sie wurden in dem Hospital der Addas Jisroel Gemeinde in der Elsässerstraße 85 (heutige Torstraße) angesammelt und aufbewahrt. 1943 sollten in einer antijüdischen Ausstellung unter anderen religiösen Kultgegenständen auch die 583 geretteten Thorarollen gezeigt werden. Um sie dem Zugriff der Nazis zu entziehen, brachte ein christlicher Spediteur nachts und unter großer Gefahr die Thorarollen auf das Friedhofsgelände. Diese Thorarollen wurden auf der Empore der Neuen Trauerhalle versteckt. Als bei einem Nachtangriff auf ein angrenzendes Fabrikgebäude Brandbomben fielen, wurden 90 Thorarollen so stark beschädigt, dass sie ihren heiligen Zweck nicht mehr erfüllen konnten.

Diese Thorarollen wurden später an dieser Stelle der Erde übergeben. Die weiteren verbleibenden Thorarollen konnten nach Beendigung des Krieges den wiedereröffneten Synagogen in Berlin und weiteren Städten Deutschlands und anderen Ländern übergeben werden.

Im März 1950 gingen Thorarollen nach Bombay, im Mai nach Dublin. Damit eröffnete sich die Hoffnung auf einen Neubeginn. 1980 wurde eine lnschrifttafel für die geschändeten Thorarollen errichtet.

 

 
 
Gedenktafel (Feld P 4)

 
3 Gedenktafeln (Feld P 4)

Vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weiszäcker eingeladen, wurden zur Erhaltung alter jüdischer Grabstätten 1990 zwei Konzerte gegeben. Alle beteiligten Künstler traten ohne Honorar auf. Das Philharmonische Orchester, unter der Leitung von Daniel Barenboim, spielte an zwei Abenden in der Philharmonie und im Schauspielhaus Beethovens "Missa solemnis". Mit den aus dem Erlös stammenden Mitteln wurde dieses Gräberfeld, das vollkommen zugewachsen war und auf dem die Grabsteine umgestürzt waren, wieder hergerichtet.
 
 
Programm Benefizkonzert

     
 
Gedenkstein

 
Gedenkstein

Seit September 2009 befindet sich rechts neben dem Verwaltungsgebäude ein Findling mit einer bronzenen Gedenktafel auf der Vorderseite:

Einer Anregung des Klubs der Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges folgend, hat der Gemeindevorstand im Eingangsbereich der beiden Gemeindefriedhöfe Heerstraße und Weißensee je einen Gedenkstein setzen lassen, mit dem an die auf diesen Friedhöfen bestatteten Frauen und Männer erinnert wird, die aktiv an der Befreiung vom Nationalsozialismus beteiligt waren.
(Text: Wolfgang Fischer-Ohl)
 
         
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