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      Grabstätten (Plan-Nr. 33 - 47)

 
 
Abram Mordko Grynberg

 
33 Abram Mordko Grynberg (1867 Bieczin - 1938 Berlin) (Feld G 7)

Der Rabbiner war der anerkannte religiöse Führer der Ostjuden in Berlin. Er lebte und wirkte in der Betstube, eine der zentralen Pflegestätten talmudischer Weisheit in der damaligen Grenadierstraße 36 und 37, der heutigen Almstadtstrasse 26 und 28. Die hebräische Inschrift auf dem Grabstein ist ein Gedicht, im folgenden ein Auszug davon:

Unter diesem Hügel ist bestattet
Unser Herr, unser Lehrer, unser Rabbi, der gerechte Rabbi,
Korb voller Bücher, der gelehrte Herr Abraham Mordechai
Sohn des Rabbi, Fürsten der Tora
Herrn Chajm Cheika sel. Angedenkens aus Bjeshun
Gestorben am Montag, 26. Tammus 5698
Im weiteren Verlauf des Gedichts ergeben die Anfangsbuchstaben den Namen Abraham Mordechai, dabei muss berücksichtigt werden, dass im Hebräischen Vokale nicht ausgedrückt werden.

 
 
Oscar Blumenthal

  34 Oscar Blumenthal (1852 Berlin - 1917 Berlin) (Feld U 2, Mauer)

Er war Journalist, Schriftsteller und Theaterleiter. 1888 gründete er das Lessingtheater und leitete es bis 1897. Gemeinsam mit Gustav Kadelburg verfasste er das Libretto zu der Operette Im weißen Rössl, vielen wird noch die Melodie lm weißen Rössl am Wolfgangsee in Erinnerung sein.
 
 
Franziska Ury

 
35 Franziska Ury (1847 Berlin - 1940 Berlin) und
      Emil Ury (1835 Berlin - 1920 Berlin) (Feld P 2, Reihe 18)


Else Ury, die berühmte Autorin der Nesthäckchen-Geschichten, die nicht nur unsere Großmütter liebten, wurde am 1. November 1877 in Berlin geboren. Sie war die Tochter des Tabakfabrikanten Emil Ury. Wohlbehütet wuchs sie bei den Eltern gemeinsam mit ihren Brüdern Ludwig und Hans und ihrer Schwester Käthe in Berlin-Charlottenburg auf. Ihr erstes Buch erschien 1905, viele erfolgreiche Bücher folgten, wie z.B. Lotte Naseweis und Lilli Lilliput, insgesamt wurden 39 Bücher veröffentlicht. Am 6. März 1935 erhielt Else Ury Schreibverbot, sie wurde aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Mit dem 26. Transport vom 12. Januar 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert. Eine Inschrift am Grabstein ihrer Eltern erinnert an die Schriftstellerin.
 
 
Hermann Tietz

 
36 Hermann Tietz (1837 Birnbaum - 1907 Berlin) und
     Oskar Tietz (1858 Birnbaum - 1923 Berlin) (Feld 0 2)


Hermann Tietz gründete mit seinem Neffen Oskar Tietz 1882 gemeinsam in Gera ein Weißwarengeschäft. Ihre Firma war nach amerikanischem Muster organisiert. 1896 erfolgte dann die Eröffnung des ersten Warenhauses in Gera. Drei große Warenhäuser wurden unter der Leitung von Oskar Tietz seit 1900 in Berlin errichtet: in der Leipziger Straße, am Alexanderplatz und in der Frankfurter Allee. Der Kaufhauskonzern wurde später in der NS-Zeit unter dem Kunstnamen Hertie „arisiert“.
(Ehrengrabstätte des Landes Berlin)
 
 
Benno Orenstein

  37 Benno Orenstein (1851 Posen - 1926 Berlin) (Feld W.T.)

Benno Orenstein schuf eines der größten Unternehmen für Klein- und Feldbahnen, das seine Produktion auf Dampflokomotiven, Personen-, Güter-, Spezial- und Straßenbahnwagen, Signalanlagen, Feldbahnmaterial, Motorlokomotiven, Bagger und Kräne ausdehnte. Es gab Niederlassungen in europäischen und außereuropäischen Staaten. Gemeinsam mit Arthur Koppel (s. Nr. 38) gründete Orenstein am 1. April 1876 die Firma Orenstein & Koppel (O & K) als offene Handelsgesellschaft (oHG) in Berlin. Orenstein brachte 3.000 Mark als Darlehen eines Onkels und sein Partner Koppel 15.000 Mark als Gründungskapital ein. 1885 trennten sich die Partner und Koppel übernahm mit der Arthur Koppel AG die Auslandsgeschäfte von O & K. Nach dem Tod von Koppel kam es 1909 zur Fusion der Unternehmen. Bei dem in Orenstein & Koppel – Arthur Koppel AG umbenannten Konzern, mittlerweile einer der größten deutschen Industriebetriebe, hatte Orenstein als Generaldirektor weiter die Fäden in der Hand. Orenstein starb im 50. Jahr der Firmengründung, die Nachfolge als Generaldirektor und Arbeitgeber von 12.000 Mitarbeitern trat sein Sohn Alfred (1885-1969) an.
(Ehrengrabstätte des Landes Berlin)
 
 
Arthur Koppel

 
38 Arthur Koppel (1851 Dresden – 1908 Baden-Baden) (Feld F 2)

Arthur Koppel, der Prokurist bei der Berliner Eisenhandlung G. E. Dellschau war, gründete mit Benno Orenstein (s. Nr. 37) am 1. April 1876 die Firma Orenstein & Koppel (O & K) in Berlin. Aus dem anfänglichen Handelsunternehmen für schmalspurige Feldbahnen mit den dazugehörigen Gleisen und Kipploren entwickelte sich die Weltfirma O & K, zu deren Produktpalette Lokomotiven, Waggons und später auch Bagger gehörten. 1885 trennten sich die Partner wegen unterschiedlicher Geschäftsauffassungen, der besonnene Charakter Orensteins war schwer mit dem draufgängerischen Gebaren Koppels zu vereinbaren. Eine vertragliche Vereinbarung sicherte Koppel für fünf Jahre die alleinige Auslandsvertretung von O & K zu. Mit der Arthur Koppel AG gründete er sein eigenes Unternehmen, das ab 1905 im Vertriebsgeschäft mit O & K kooperierte. Nach dem Tod von Koppel kam es 1909 zur Fusion beider Unternehmen. 1914 umfasste der in Orenstein & Koppel – Arthur Koppel AG umbenannte Konzern 12 Betriebswerke und weltweit 95 Niederlassungen. Der Erste Weltkrieg brachte dem Unternehmen starke Einbußen durch die Enteignung der ausländischen Dependancen, von denen sich das Unternehmen jedoch wieder erholte. 1941 erfolgte die „Arisierung“ des Unternehmens. Nach dem Zweiten Weltkrieg firmierte das Unternehmen als O & K und Lübecker Maschinenbau AG. Letztlich vom Markt verschwunden ist die Marke O & K erst 2011 und gehört nunmehr der Geschichte an.
 
 
Rosalie Ernst

 
39 Rosalie Ernst (1853 – 1899 Berlin) und
      Dr. Adolf Ernst (1846 Breslau – 1927 Berlin) (Feld F 2)


Dr. Adolf Ernst, Sohn eines Maschinenbauers, war der Begründer des nach ihm benannten Adolf-Ernst-Theaters in Berlin. Seine Karriere als Schauspieler begann 1866. Er übernahm 1879 das Luisenstädtische Theater in der Dresdner Straße und später das Central-Theater Alte Jacob-Straße. 1887 erwarb er das Luisenstädtische Theater, das er am 11. August 1888 unter dem Namen Adolf-Ernst-Theater eröffnete. Als Schauspieler und Theaterleiter fand Ernst die Anerkennung des Berliner Publikums. Auf Einladung Kaiser Wilhelms II. führte er mit seiner Truppe das Stück Charleys Tante im Neuen Palais in Sanssouci auf.
Das schmuckreiche Baldachin-Grabdenkmal, nachgebildet einer Chuppa, dem Traubaldachin, der bei jüdischen Hochzeiten verwendet wird, besteht aus weißem Marmor. Die weiteren verwendeten farbigen Materialien bilden einen effektvollen Kontrast zu dem strahlenden Weiß des Steines. Entsprechend dem Vornamen der mit 46 Jahren verstorbenen Ehefrau Rosalie ist das Hauptmotiv der Grabmalsdekoration die Rose, sie findet sich im Giebelrelief, auf dem Mosaik, in den Glasfenstern und an den Pfostenreliefs wieder.
In den Jahren 1998 – 2000 erfolgte die Restaurierung des Marmor-Grabmals durch ein Projekt der Deutschen Stiftung Umwelt und des Landesdenkmalamtes Berlin.
 
 
Familie Katz-Lachmann

  40 Mausoleum Familie Katz-Lachmann (Feld W.T.)

Von den Architekten Lachmann & Zauber stammt der Entwurf und auch die Ausführung des gedrungen wirkenden Familien-Mausoleums mit einem grottenähnlichen Gewölbe. Der Innenraum ist durch die blauen Oberlichter sehr stimmungsvoll gehalten. Der Bau ist aus Randersacker Kalkstein gearbeitet, er ist 7,60 Meter lang und 3,40 Meter tief. Beigesetzt wurden in dem Mausoleum der Rechtsanwalt Leopold Katz (1860 Marienburg - 1901 Berlin), der Baumeister Louis Lachmann (1860 Thorn - 1910 Berlin) und dessen Ehefrau Caroline Lachmann (1864 Prag - 1937 Berlin).
Der Baumeister Louis Lachmann hat auch das Gebäude des früheren Warenhauses Jandorf an der Ecke Brunnen-/ Veteranenstraße entworfen.
 
 
Oswald Berliner

 
41 Oswald Berliner (1832 Landeshut i. Schles. – 1900 Berlin) (Feld W.T.)

Das repräsentative Wandgrabmal für Oswald Berliner, Besitzer der Breslauer Weizenbier-Brauerei Oswald Berliner in der Brunnenstraße 141-143, gab vermutlich seine Ehefrau Hermine Berliner (1845-1938) in Auftrag, die in der Familiengrabstätte ebenso beigesetzt ist wie die ledige Tochter Margot Berliner, die bereits 1904 als 23-Jährige verstarb. Ebenfalls hier beigesetzt sind die Mitinhaber der Brauerei Erich Berliner (1871-1948) und Max Ephraimsohn (1850-1925), Schwiegersohn der Berliners. Den aufwendigsten Schmuck der Grabstelle bildet das schmiedeeiserne Gitter mit seinen reichen floralen Verzierungen wie einem Feston aus Kiefernästen und Rosenzweigen. Das Tor besitzt eine besonders reiche Ausbildung: Eingespannt in einen Rahmen ist eine stilisierte Prunkvase mit üppigem Blumenschmuck dargestellt. Im oberen Torbereich ist ein von Lorbeerzweigen flankiertes Wappenschild eingebaut, das die Initiale der Familie, das ‚B’ trägt. 1999/2000 konnten mit Bundes- und Landesmitteln das völlig verrostete Gitter und die vom Einsturz bedrohte Grabwand restauriert und die Grabanlage somit vor dem Verfall bewahrt werden.
 
 
Alfred Peiser            Harry Frommermann

  Vor- und Nachfahren bekannter Künstler

42 Dr. Alfred Peiser (Feld L 7)

43 Eltern von Harry Frommermann (Feld G 5)
 
 
Ernst Lubitsch          Max Wilder

  44 Eltern von Ernst Lubitsch (Feld M 4)

45 Vater von Billy Wilder (Feld H 6)
 
 
Wilhelm Goldmann   Paul Lasker-Schüler

  46 Eltern von Max Reinhardt (Feld U 1)

47 Paul Lasker-Schüler (Feld E 4)
 
     
Viele Vor- und Nachfahren von bekannten Künstlern sind auf dem Friedhof Weißensee beigesetzt worden.
Hier fand auch Dr. Alfred Peiser, Chefarzt des Jüdischen Krankenhauses seine letzte Ruhe; er war der Vater von Lilli Marie Peiser, einer Schauspielerin von internationalem Rang. Sie musste Deutschland 1933 verlassen und nannte sich im Exil dann Lilli Palmer.
Ebenfalls in Weißensee beigesetzt sind auch die Eltern von Harry Frommermann, der die Comedian Harmonists gründete. Mancher hat sicher noch Mein kleiner grüner Kaktus und viele andere Melodien der Comedian Harmonists im Ohr.
Vorbei an Baumalleen kommen wir zu der inzwischen fast verfallenen Grabstätte der Eltern von Ernst Lubitsch, einem der bekanntesten Filmregisseure seiner Zeit.
Ebenfalls in Weißensee beigesetzt ist der Vater von Billy Wilder, dem berühmten Hollywoodregisseur.
Ihre letzte Ruhestätte fanden in Weißensee auch Wilhelm und Rosa Goldmann, die Eltern von Max Reinhardt, dem Regisseur und Eigentümer des Deutschen Theaters.
Begraben ist hier auch der Maler Paul Lasker-Schüler, der Sohn der Dichterin Else Lasker-Schüler, die noch 1932 den Kleistpreis bekam und 1933 aus Deutschland fliehen musste.
 
         
      (Quelltext: Regina Borgmann)  
         
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