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      Grabstätten (Plan-Nr. 19 - 32)

 
 
Adolf Jandorf
 

19 Adolf Jandorf (1870 Hengstfeld - 1932 Berlin) (Feld T 2)

Jandorf hatte entscheidenden Anteil am Aufstieg Berlins zu Deutschlands größter Wirtschaftsmonopole. Der gelernte Kaufmann ging als 20jähriger in die USA, um dort moderne Verkaufstechniken kennen zu lernen. Schon 2 Jahre später eröffnete er in Berlin das Hamburger Engros-Lager, ein Spezialgeschäft für Kurz-, Weiß-, Wollwaren und Tapisserie. Dies wurde zum Stammhaus des späteren Kaufhauskonzerns. Insgesamt errichtete Adolf Jandorf 5 Kaufhäuser in Berlin, von denen noch 3 bestehen. Das Kaufhaus des Westens(KaDeWe) in Schöneberg, gegründet im Jahre 1907 ist das Berühmteste unter ihnen. Die beiden anderen sind das heutige Hertie-Kaufhaus am Halleschen Tor (Kreuzberg) und das einst als Modeinstitut genutzte Eckhaus Brunnenstraße/Veteranenstraße (Mitte). Letzteres trägt ein Wappenschild aus Sandstein an der Fassade: Drei Bienen. Im Jahre 1926 wurde der Jandorf-Konzern von dem Warenhauskonzern Hermann Tietz (s. Nr. 36) übernommen.
(Ehrengrabstätte des Landes Berlin)


 
 
Berthold Kempinski

 

20 Berthold Kempinski (1845 Raschkow - 1910 Berlin) (Feld T 2)

Der Kaufmann Kempinski gründete 1873 das Weinrestaurant Kempinski und Co., später noch eine Weinversandhandlung und ein Delikatessengeschäft in der Leipziger Straße. Das Medaillon auf der Grabstätte stellt den Verstorbenen dar. Hier wurde das so genannte biblische Bildverbot gebrochen. Solche Verstöße wurden mit zunehmender Assimilation der Juden an ihr preußisches Umfeld immer häufiger. Auch das Anbringen einer Kapsel, durch die der Anblick des Bildnisses Fremden verschlossen bleiben sollte, war nicht gestattet, weil damit um so deutlicher wurde, dass dieses leblose Bildnis angebetet werden sollte. Allen Verboten zum Trotz wurden jedoch an einigen Grabmalen Porträts angebracht.
(Ehrengrabstätte des Landes Berlin)

 
 
Julius Jacob

 
21 Julius Jacob (1839 Nordhausen - 1907 Berlin) und
      Emilie Jacob (1849 Tangermünde - 1933 Berlin ) (Feld X 2, Reihe 17)


Eine Gedenktafel am Grab ihrer Eltern erinnert an Mathilde Jacob. Die Tochter des Schlächtermeisters Julius Jacob war die Besitzerin eines beliebten Schreib- und Übersetzungsbüros in Berlin-Moabit. Zu ihren Kunden gehörten Journalisten, Schriftsteller und Politiker, die meist links orientiert waren. Seit 1913 war Mathilde Jacob Sekretärin und Vertraute der Politikerin Rosa Luxemburg, die den Spartakusbund gegründet hatte und eine führende Rolle beim Gründungsparteitag der KPD spielte. Rosa Luxemburg wurde am 15.Januar 1919 von Freikorps-Soldaten umgebracht. Mathilde Jacobs wurde am 27. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und im April 1943 ermordet.
 
 
Jenny Hirsch

 
22 Jenny Hirsch (1870 Lissa – 1910 Berlin) (Feld X 2)

Dieses ist eines der wenigen Grabmale des Friedhofes, an dem die schmiedeeiserne Rückwand mit den eingefügten steinernen Inschriftentafeln erhalten blieb. Der umfangreiche Bestand an repräsentativen Metallarbeiten auf dem Friedhof erlitt im Zweiten Weltkrieg empfindliche Einbußen, als 1942/43 die Ablieferung des Materials zur Verstärkung der Metallreserven für die Kriegswirtschaft angeordnet wurde. Auch heutzutage sind die erhalten gebliebenen Metallarbeiten auf dem Friedhof in ihrem Bestand bedroht: Leider müssen immer wieder Diebstähle von Buntmetall durch die Friedhofsverwaltung an die Polizei gemeldet werden, zuletzt vermehrt im Jahr 2011.
 
 
Sally Epstein

 
23 Sally Epstein (1907 Jastrow/Westpreußen – 1935 Berlin) (Feld H 3, Reihe 8)

Der Malergehilfe Epstein, ein nach Berlin eingewanderter Jude, lebte bei seiner christlichen Pflegemutter im Scheunenviertel in der Dragonerstraße. Angeklagt, gemeinsam mit anderen „Tätern“ den SA-Sturmführer Horst Wessel, Verfasser der späteren Nazihymne, ermordet zu haben, wird er am 10. April 1935 im Alter von 28 Jahren in der Strafanstalt Plötzensee enthauptet. Vier Jahre später wurde der Prozess wieder aufgenommen und die Unschuld von Epstein erwiesen.
 
 
David Dridso

 
24 David Dridso (1913 Orenburg/Russland – 1921 Berlin) (Feld O 4)

Dieses steinerne Monument wurde für den nur achtjährigen David Dridso geschaffen. Es besteht aus 11 Findlingen, der größte von ihnen ist vier Meter hoch. Eine kleine Gedenktafel erinnert an den 1944 in Auschwitz ermordeten Gregor Dridso.
 
 
Samuel Fischer

 
25 Samuel Fischer (1859 Liptovsky Mikulas/Slowakei – 1934 Berlin) (Feld J 4)

Der spätere Verleger kam 1880 nach Berlin, zuvor arbeitete er vollkommen mittellos als Lehrling in einer Buchhandlung in Wien. In Berlin war er erst als Buchhändler-Gehilfe in der Central Buchhandlung Steinitz tätig. Später wurde er Teilhaber dieses Unternehmens, das sich seit 1884 Steinitz & Fischer nannte. 1886 gründete er den S. Fischer Verlag. Das Unternehmen war bis zur Machtergreifung Hitlers einer der führenden Verlage Deutschlands.
(Ehrengrabstätte des Landes Berlin)

Gottfried Bermann Fischer (1897 Gleiwitz – 1995 Lucca/Italien) (Feld J 4)

Als kriegsfreiwilliger Offizier nahm er am 1. Weltkrieg teil. Danach studierte er Medizin und war als chirurgischer Assistent im Berliner Krankenhaus Friedrichshain tätig. 1925 heiratete er Brigitte Fischer, die Tochter von Samuel Fischer. Er trat in den Verlag ein und übernahm 1932 die Leitung. 1936 erfolgte die Emigration über Wien, Stockholm in die USA. Gemeinsam mit seiner Frau zog er in die Toskana, wo beide ihren Alterssitz Casa Fischer gründeten. Brigitte Bermann Fischer starb am 28. Mai 1991 und fand ihre letzte Ruhe neben dem Grab ihres Vaters. Vier Jahre später starb ihr Mann, der ebenfalls in dem Erbbegräbnis Fischer beigesetzt wurde. Bereits 1913 starb im Alter von nur 19 Jahren der Sohn von Samuel Fischer, der Musikschüler Gerhard Fischer. Auch er fand hier seine letzte Ruhe. Die Ehefrau von Samuel Fischer ist inschriftlich auf dem Grab erwähnt, sie starb 1952 in Königsstein.


 
 



Josef Garbáty-Rosenthal

 

26 Josef Garbáty-Rosenthal (1851 Lida – 1939 Berlin) (Feld D 4)

Der Fabrikant errichtete 1890 in Berlin eine Zigarettenfabrik, zunächst in angemieteten Räumen. Davor hatte die Familie die Zigaretten in Hand- und Heimarbeit hergestellt. 1906 konnte in der Pankower Hadlichstraße ein modernes Fabrikgebäude der Cigaretten Fabrik J. Garbáty eingeweiht werden. Das zweite Fabrikgebäude errichtete Garbáty-Rosenthal, Hoflieferant deutscher Fürstentümer, 1912 in der Berliner Straße 123-125 neben seiner Villa in Pankow. 1931 kam ein Erweiterungsbau nach Entwürfen des Architekten Fritz Höger (1877-1949) hinzu. Die Sozialeinrichtungen des Betriebes waren für ihre Zeit vorbildlich. Garbáty-Rosenthal stiftete einen Lehrstuhl der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und die Synagoge des Jüdischen Waisenhauses in Pankow. Bis zur Enteignung durch die Nationalsozialisten beschäftigte Garbáty fast 1.600 Arbeiter und Angestellte. 1938 verlor die Familie ihren gesamten Besitz durch Zwangsverkauf. Die Söhne wanderten mit ihren Familien in die USA aus. Mit Eröffnung des U-Bahnhofs Pankow am 16. September 2000 erfolgte die Benennung des Vorplatzes zu Ehren des Zigarettenfabrikanten in Garbátyplatz.

 
 
Albert Mendel

 
27 Albert Mendel (1866 Essen – 1922 Berlin) (Feld P 4)

Die Grabstätte des Berliner Kaufmanns Albert Mendel wurde 1924 nach einem Entwurf des Architekten Walter Gropius (1883 Berlin - 1969 Boston), den dieser während seiner Weimarer Bauhaus Tätigkeit schuf, errichtet. Gropius hat die Baukunst des 20. Jahrhunderts wesentlich beeinflusst. Diese Arbeit steht für eine wegweisende moderne Grabmalgestaltung.
 
 
Arthur Scholem

 
28 Arthur Scholem (1863 Berlin – 1925 Berlin) (Feld G 5)

Er war Buchdruckereibesitzer, sein Sohn Gershom Scholem (1897 Berlin - 1982 Jerusalem) ist auf dem Grabmal namentlich erwähnt. Dieser wanderte schon 1923 nach Jerusalem aus, 1945 erhielt er dort eine Professur. Im Mittelpunkt seiner Lehr- und Forschungstätigkeit stand die Geschichte der jüdischen Mystik. Gershom Scholem ist 1982 in Jerusalem beigesetzt worden. Seine größte Auszeichnung erhielt er 1981 mit der Verleihung des Ordens „Pour le Mérite“ für Wissenschaft und Künste. Ein Jahr nach seinem Tod wurde an der Hebräischen Universität in Jerusalem das „Gershom Scholem Center for the Study of Jewish Mysticism and Kabbala“ gegründet.
 
 
Jakob Scherek

 
29 Jakob Scherek (1870 Schrimm – 1927 Hangö) (Feld C 6)

Bemerkenswert ist die aus dem Findling aus rotem Granit heraus gearbeitete Eule und die Inschrift:
Es sprach die Not
Ich beuge dich
Es sprach der Mut
Ich wehre mich
Es sprach die Zeit
Ruhm winkt und Licht
Da sprach der Tod
Ich will es nicht
Jakob Scherek war Journalist und Schriftsteller, als Oberregierungsrat war er stellvertretender Pressechef der preußischen Landesregierung. Er verstarb nach einer Notoperation wegen einer verschleppten Blinddarmentzündung in Hangö in Finnland und wurde nach Weißensee überführt, wo er seine letzte Ruhestätte fand.
 
 
Dr. Arno Philippsthal

 
30 Dr. Arno Philippsthal (1887 Güsten – 1933 Berlin) (Feld H 7)

Am 22. April 1933 wurde die Verordnung zum Ausschluss „nichtarischer“ Ärzte von der Tätigkeit für Krankenkassen erlassen. Arno Philippsthal, ein sehr beliebter jüdischer Arzt aus Biesdorf, war eines der ersten Opfer, das in den Kellern der Kaserne an der General-Pape-Straße, eines der so genannten wilden Konzentrationslager für mutmaßliche Regimegegner, umgebracht wurde. Das Alten- und Pflegeheim Am Grabensprung in Biesdorf trägt heute seinen Namen.
(Ehrengrabstätte des Landes Berlin)
 
     

31 Moritz Heimann (1868 Werder – 1925 Berlin) (Feld P 4)

Dichter, Schriftsteller und Essayist. Von 1896 bis zu seinem Tode war er Cheflektor bei Samuel Fischer und dessen engster Berater. Er war Förderer vieler neuer Talente, wie z.B. von Thomas Mann und Hermann Hesse.

 

 
 
Joseph Schwarz

 
32 Joseph Schwarz (1881 Riga – 1926 Berlin) (Feld A 6)

Die von 14 massiven Säulen getragene Tempelarchitektur des Mausoleums ist aus hellem Muschelkalkstein nach einem Entwurf des Architekten Ernst Moritz lesser (1882–1958) errichtet. Der Kammersänger Joseph Schwarz war einer der bekanntesten Baritone seiner Zeit. Er wurde 1909 ständiges Ensemblemitglied der Wiener Hofoper, wo er auch als Partner von Enrico Caruso Erfolge feierte. 1915 wechselte er an die Oper in Berlin. Joseph Schwarz wurde nicht nur wegen seiner Stimme, sondern auch wegen seines schauspielerischen Talentes ein Liebling des Publikums. Während der NS-Zeit diente das Dach des Mausoleums auch einzelnen untergetauchten Juden als Schlafasyl.
 
      (Quelltext: Regina Borgmann)  
         
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